Defini­tion

Mit Native Apps oder Native Appli­ca­ti­ons (deutsch: native, angepasste Anwen­dun­gen) werden Anwen­dun­gen auf mobilen Endge­rä­ten bezeich­net, die spezi­ell für das Betriebs­sys­tem des jewei­li­gen Endge­rä­tes konzi­piert und entwi­ckelt wurden. Sie werden meist über die App Stores, die an das Betriebs­sys­tem gekop­pelt sind, als kosten­freie und kosten­pflich­tige Anwen­dun­gen vertrie­ben.

 

Allge­meine Infor­ma­tio­nen

Native Apps sind auf ein bestimm­tes Betriebs­sys­tem wie iOS, Android oder Windows Phone zugeschnit­ten und inter­agie­ren mit der Hardware. Unter Umstän­den auch mit der auf dem System vorin­stal­lier­ten Software, um alle zur Verfü­gung stehen­den Ressour­cen optimal auszu­nut­zen. So sind zum Beispiel Zugriffe auf Daten- und Arbeits­spei­cher, Kamera­funk­tio­nen oder das GPS-System des Endge­rä­tes möglich.

Native Apps sind in gewis­sem Maße proprie­täre Software, weil sie für ein bestimm­tes System entwi­ckelt werden. Aller­dings sind die Standards für regis­trierte Entwick­ler einseh­bar: Es wird in der Regel eine Entwick­lungs­um­ge­bung (SDK) zur Verfü­gung gestellt, die auch die Anbin­dung von Schnitt­stel­len (API) ermög­licht. Inner­halb der Entwick­lungs­um­ge­bung kann der Quell­code der App dann editiert werden, wobei je nach System bestimmte Program­mier­spra­chen wie C++, Objective‑C, Swift oder Java zum Einsatz kommen.

 

Vor- und Nachteile von Native Apps

Die Vor- und Nachteile von Native Apps können nur im Hinblick auf andere Arten von Apps, wie zum Beispiel Web Apps oder Hybrid Apps, festge­macht werden. Vor der Program­mie­rung einer App steht deshalb die Frage, für welche Art von Projekt eine App entwi­ckelt werden soll und was für Ziele damit verfolgt werden. Es geht also nicht darum, welche Techno­lo­gie die bessere ist, sondern darum, welches Problem mit der App gelöst werden soll.

  • Perfor­mance: Grund­sätz­lich zeich­nen sich Native Apps dadurch aus, dass sie eine sehr gute Perfor­mance besit­zen. Sie inter­agie­ren mit der Hardware und bieten eine schnel­lere Geschwin­dig­keit bei der Nutzung der App durch den Anwen­der. Der letzte Punkt ist entschei­dend für eine möglichst hohe Usabi­lity bei mobilen Anwen­dun­gen.
  • Native Funktio­nen: Hinzu kommt, dass die Inter­ak­tion zwischen nativer App und Betriebs­sys­tem dazu führt, dass (fast) alle Funktio­nen des Systems ansteu­er­bar sind. Native Apps können Push-Nachrich­ten versen­den und auf weitere system­in­terne Funktio­nen zugrei­fen. Zum Beispiel das Gyroskop, das die Bewegung und Neigung des Gerätes erkennt. Oder die Daten­über­tra­gung per Bluetooth.
  • Instal­la­tion und Nutzung: Die Instal­la­tion seitens der Nutzer gestal­tet sich bei nativen Apps sehr einfach. Mithilfe des jewei­li­gen App Stores finden Nutzer zahlrei­che Apps und können diese per Klick instal­lie­ren. Die Nutzung kann oft auch unabhän­gig vom Netzzu­gang erfol­gen, was bei Web Apps nicht der Fall ist.
  • Kosten und Updates: Die Entwick­lungs­kos­ten von nativen Apps können sehr umfang­reich sein, weil meist unter­schied­li­che Versio­nen für verschie­dene Betriebs­sys­teme entwi­ckelt werden müssen. Hinzu kommen Trans­ak­ti­ons­ge­büh­ren, die von der Platt­form automa­tisch abgeführt werden. Updates von nativen Apps sind zudem häufig mit Mehrauf­wand verbun­den, weil für jedes Betriebs­sys­tem eigene Updates ausge­rollt werden müssen.

 

Vertrieb und Marke­ting

Der Vertrieb von Native Apps erfolgt meist über die jewei­li­gen App-Platt­for­men wie der App Store von Apple oder Google Play. Auch Amazon, Nokia oder Samsung haben eigene Platt­for­men, von denen die Apps – teilweise gegen Gebühr – herun­ter­ge­la­den werden können. Mit der Vermark­tung über diese Platt­for­men sind je nach Anbie­ter verschie­dene Richt­li­nien und Pflich­ten verbun­den. Damit die App auf der Platt­form überhaupt bereit­ge­stellt wird, sollten App-Entwick­ler den Best Practise Beispie­len der Anbie­ter folgen. Sowohl Apple als auch Google geben App-Entwick­lern Tipps, wie sie das Nutzer­erleb­nis verbes­sern und ihre Apps vermark­ten können. In Sachen Marke­ting kann zusätz­lich auf die App Store Optimiz­a­tion zurück­ge­grif­fen werden. Auch spezi­elle on- und offline Kampa­gnen können sich positiv auf die Nutzer­zah­len von Apps auswir­ken. Eine Methode wie das App Tracking gestat­tet umfang­rei­che Funktio­nen wie Repor­ting, Analyse und App-Optimie­rung.

 

Bedeu­tung für das Online Marke­ting

Apps erwei­tern das Portfo­lio eines Unter­neh­mens. Mitun­ter bildet die App selbst das Geschäfts­mo­dell. Native Apps bieten sich jedoch nur für bestimmte Projekte an. Denn es muss nicht nur ausrei­chend Budget vorhan­den sein. Vielmehr kann eine möglichst hohe Reich­weite nur erzeugt werden, wenn mehrere Native Apps für unter­schied­li­che Betriebs­sys­teme program­miert werden. In den meisten Fällen sind das iOS und Android. Für andere Projekte können Web-Apps und sogenannte Hybrid-Apps sinnvoll sein. Vor dem Hinter­grund der techno­lo­gi­schen Entwick­lung darf erwar­tet werden, dass Web Apps und Hybride Apps an Popula­ri­tät gewin­nen werden. Einer­seits kommen vermehrt HTML5, CSS und JavaScript zum Einsatz. Anderer­seits bieten einige Software-Herstel­ler Entwick­lungs­um­ge­bun­gen an, mit denen sich Native Apps in Web und Hybride Apps umwan­deln lassen. Phone­gap ist ein Beispiel dafür.